
- Die Rolle der GESPA als Aufsichtsbehörde
- Wie die Sperrliste funktioniert
- Bekannte Namen auf der Sperrliste
- Technische Umsetzung: Wie werden Seiten blockiert?
- Die rechtliche Grauzone: VPNs und Umgehung
- Warum die Sperrliste existiert: Die Argumente der Behörden
- Kritik an der Sperrliste
- Die Zukunft der Regulierung
- Was die Sperrliste für Sie bedeutet
- FAQ
Wer in der Schweiz versucht, die Webseite eines bekannten internationalen Buchmachers aufzurufen, erlebt oft eine unangenehme Überraschung. Statt der gewohnten Wettoberfläche erscheint eine nüchterne Hinweisseite, die erklärt, dass der Zugang zu diesem Angebot in der Schweiz nicht gestattet ist. Willkommen in der Welt der GESPA Sperrliste, jenem Instrument, mit dem die Schweizer Behörden den Zugang zu ausländischen Glücksspielanbietern unterbinden.
Die Sperrliste ist eines der umstrittensten Elemente des Schweizer Geldspielgesetzes. Für die einen ist sie ein notwendiges Werkzeug zum Schutz der Spieler und zur Sicherung der Einnahmen für gemeinnützige Zwecke. Für die anderen ist sie ein Eingriff in die Internetfreiheit und ein Zeichen dafür, dass der Staat seinen Bürgern vorschreiben will, wo sie ihr Geld ausgeben dürfen. Wie so oft bei kontroversen Themen liegt die Wahrheit vermutlich irgendwo dazwischen.
In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie über die GESPA Sperrliste wissen müssen. Wir erklären, wie sie entstanden ist, welche Anbieter darauf stehen, wie die technische Umsetzung funktioniert und was das alles für Sie als Wettfreund bedeutet. Dabei beleuchten wir sowohl die Argumente der Befürworter als auch die Kritik der Gegner und werfen einen Blick auf mögliche zukünftige Entwicklungen.
Die Rolle der GESPA als Aufsichtsbehörde

Um die Sperrliste zu verstehen, muss man zunächst die Behörde kennen, die sie führt. Die GESPA, ausgeschrieben interkantonale Geldspielaufsicht, ist die zentrale Aufsichtsbehörde für Lotterien und Sportwetten in der Schweiz. Sie wurde in ihrer heutigen Form am 1. Januar 2021 gegründet und ging aus der früheren Comlot hervor, der interkantonalen Lotterie- und Wettkommission.
Die GESPA ist keine Bundesbehörde, sondern eine interkantonale Einrichtung. Das bedeutet, dass sie von allen 26 Kantonen gemeinsam getragen wird und deren Interessen vertritt. Diese föderalistische Struktur spiegelt die Besonderheit des Schweizer Glücksspielrechts wider: Während die Spielbanken dem Bund unterstehen und von der Eidgenössischen Spielbankenkommission ESBK beaufsichtigt werden, sind Lotterien und Sportwetten Sache der Kantone.
Die Aufgaben der GESPA gehen weit über die Führung der Sperrliste hinaus. Sie beaufsichtigt die beiden Lotteriegesellschaften Swisslos und Loterie Romande, genehmigt neue Spiele, überwacht den Spielerschutz und fungiert als nationale Plattform für die Bekämpfung von Spielmanipulationen. Die Sperrliste ist jedoch das Element ihrer Tätigkeit, das für die breite Öffentlichkeit am sichtbarsten ist.
Der Sitz der GESPA befindet sich in Bern, wo ein Team von Fachleuten die tägliche Arbeit erledigt. Die Behörde wird von einem Aufsichtsrat überwacht, in dem die Kantone vertreten sind. Die Finanzierung erfolgt über Gebühren, die von den beaufsichtigten Anbietern erhoben werden, sowie über Beiträge der Kantone. Die GESPA ist also keine gewinnorientierte Organisation, sondern eine öffentlich-rechtliche Anstalt im Dienst des Gemeinwohls.
Für Sie als Wettfreund ist die GESPA relevant, weil sie bestimmt, welche Anbieter Sie legal nutzen können und welche nicht. Ihre Entscheidungen haben direkte Auswirkungen auf Ihre Möglichkeiten, und ihre Sperrliste definiert die Grenzen des legalen Marktes. Ob Sie diese Grenzen für sinnvoll halten oder nicht, ist eine andere Frage, aber kennen sollten Sie sie in jedem Fall.
Wie die Sperrliste funktioniert
Die rechtliche Grundlage für die Sperrliste findet sich in Artikel 86 des Bundesgesetzes über Geldspiele, kurz BGS. Dort ist festgelegt, dass der Zugang zu Spielen zu sperren ist, die von der Schweiz aus zugänglich sind, aber über keine Schweizer Bewilligung verfügen. Die GESPA ist für die Umsetzung bei Lotterien und Sportwetten zuständig, während die ESBK eine parallele Liste für Online-Casinospiele führt.
Der Prozess der Listung beginnt mit der Identifizierung eines illegalen Angebots. Die GESPA überwacht den Markt aktiv und reagiert auch auf Hinweise aus der Bevölkerung oder von anderen Behörden. Wenn eine Webseite entdeckt wird, die in der Schweiz nicht bewilligte Geldspiele anbietet und für Schweizer Nutzer zugänglich ist, wird sie für die Aufnahme in die Sperrliste vorgemerkt.
Die formelle Sperrung erfolgt durch Veröffentlichung im Bundesblatt, dem offiziellen Publikationsorgan des Bundes. Diese Veröffentlichung gilt als Eröffnung der Sperrverfügung gegenüber dem betroffenen Anbieter. Der Anbieter hat dann 30 Tage Zeit, Einsprache zu erheben. Er kann beispielsweise geltend machen, dass er den Zugang für Schweizer Nutzer bereits durch technische Massnahmen wie Geoblocking unterbunden hat. Gelingt dieser Nachweis, wird die Sperrung aufgehoben.
In der Praxis werden Einsprachen selten erhoben und noch seltener gutgeheissen. Die meisten ausländischen Anbieter verzichten darauf, sich gegen die Sperrung zu wehren, weil der Schweizer Markt für sie zu klein ist, um den Aufwand zu rechtfertigen. Einige wenige haben sich freiwillig aus dem Markt zurückgezogen und blockieren Schweizer Nutzer von sich aus, um nicht auf der Liste zu landen.
Nach Ablauf der Einsprachefrist oder nach Abweisung einer Einsprache wird die Sperre aktiviert. Die Schweizer Internetanbieter sind dann verpflichtet, den Zugang zu den gelisteten Domains zu blockieren. Die GESPA übermittelt die Liste an die Provider, die ihre DNS-Server entsprechend konfigurieren müssen. Dieser Prozess wiederholt sich regelmässig, da die Liste quartalsweise aktualisiert wird.
Bekannte Namen auf der Sperrliste

Die GESPA Sperrliste umfasst mittlerweile Hunderte von Domains und wächst stetig weiter. Darunter finden sich viele Namen, die Schweizer Wettfreunden aus früheren Zeiten vertraut sein dürften. Die grossen internationalen Buchmacher, die in anderen europäischen Ländern legal operieren und dort reguliert werden, sind in der Schweiz ausnahmslos gesperrt.
Bet365, einer der weltweit grössten Online-Buchmacher mit Sitz in Grossbritannien, steht auf der Liste. Das Unternehmen verfügt über Lizenzen in zahlreichen Ländern und gilt als seriöser Anbieter mit einem umfangreichen Wettangebot. In der Schweiz ist seine Webseite dennoch blockiert, weil es keine Schweizer Lizenz hat und nach geltendem Recht auch keine erhalten kann.
Bwin, einst ein österreichisches Unternehmen und heute Teil des Entain-Konzerns, ist ebenfalls gesperrt. Bwin war einer der Pioniere des Online-Wettens in Europa und hat den Markt massgeblich geprägt. In der Schweiz sind seine Dienste seit Einführung der Netzsperren nicht mehr direkt zugänglich.
Tipico, der in Deutschland führende Sportwettenanbieter, steht gleichfalls auf der Sperrliste. Das Unternehmen ist in Deutschland omnipräsent, mit Wettshops in jeder grösseren Stadt und massiver Fernsehwerbung. In der Schweiz müssen Fans von Tipico auf die Dienste verzichten oder Umwege suchen.
Weitere bekannte Namen auf der Liste sind Unibet, William Hill, Betway, 888sport und viele andere. Praktisch jeder internationale Buchmacher von Rang und Namen ist betroffen. Die Liste beschränkt sich nicht auf Sportwetten, sondern umfasst auch Online-Casinos, Pokerseiten und andere Glücksspielangebote. Insgesamt sind weit über 2000 Domains gesperrt, und die Zahl steigt mit jeder Aktualisierung.
Wer wissen möchte, ob ein bestimmter Anbieter auf der Sperrliste steht, kann dies auf der Webseite der GESPA nachprüfen. Dort ist die aktuelle Liste öffentlich einsehbar und wird regelmässig aktualisiert. Die Suche nach einem bestimmten Anbieter ist einfach, und innerhalb weniger Sekunden wissen Sie, ob die Webseite in der Schweiz blockiert ist oder nicht.
Technische Umsetzung: Wie werden Seiten blockiert?

Die Sperren werden technisch über das Domain Name System, kurz DNS, umgesetzt. Wenn Sie eine Webadresse in Ihren Browser eingeben, fragt Ihr Computer einen DNS-Server an, der die Adresse in eine IP-Nummer übersetzt. Diese IP-Nummer ist die tatsächliche Adresse des Servers, auf dem die Webseite liegt. Ohne diese Übersetzung kann Ihr Browser die Seite nicht finden.
Die Schweizer Internetanbieter sind verpflichtet, ihre DNS-Server so zu konfigurieren, dass Anfragen an gesperrte Domains nicht zur tatsächlichen IP-Adresse führen, sondern auf eine Informationsseite umgeleitet werden. Diese Seite erklärt dem Nutzer, dass der Zugang zu dem gewünschten Angebot in der Schweiz nicht gestattet ist, und verweist auf die rechtlichen Grundlagen.
Diese Art der Sperre ist technisch relativ einfach umzusetzen, hat aber auch klare Grenzen. Die DNS-Sperre betrifft nur den DNS-Server Ihres Internetanbieters. Wenn Sie einen anderen DNS-Server verwenden, etwa den von Google oder Cloudflare, wird die Sperre nicht wirksam. Die Konfiguration eines alternativen DNS-Servers ist für technisch versierte Nutzer eine Sache von Minuten und erfordert keine besonderen Kenntnisse.
Noch einfacher ist die Umgehung mit einem VPN-Dienst. Ein Virtual Private Network leitet Ihren gesamten Internetverkehr über einen Server im Ausland und verschlüsselt die Verbindung. Aus Sicht der Webseite, die Sie besuchen, kommen Sie aus dem Land, in dem der VPN-Server steht, nicht aus der Schweiz. Die Sperren greifen dann nicht, und Sie können die gewünschte Seite normal aufrufen.
Die Behörden sind sich dieser Einschränkungen bewusst. Sie argumentieren jedoch, dass die Sperren nicht jeden einzelnen Nutzer aufhalten müssen, um wirksam zu sein. Das Ziel sei vielmehr, eine klare Signalwirkung zu erzielen und den Zugang für die grosse Mehrheit der Gelegenheitsspieler zu erschweren. Wer aktiv nach Wegen sucht, die Sperren zu umgehen, wird sie finden, aber die meisten Menschen werden sich nicht die Mühe machen.
Die Wirksamkeit der Sperren ist umstritten und schwer zu messen. Studien deuten darauf hin, dass ein erheblicher Teil des Schweizer Wettvolumens weiterhin zu ausländischen Anbietern fliesst, trotz der Sperren. Gleichzeitig haben die legalen Anbieter Sporttip und Jouez Sport seit Einführung des Geldspielgesetzes Marktanteile gewonnen. Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen: Die Sperren haben eine Wirkung, aber sie sind nicht perfekt.
Die rechtliche Grauzone: VPNs und Umgehung
Für viele Schweizer Wettfreunde stellt sich die Frage, was eigentlich passiert, wenn sie die Sperren umgehen und trotzdem bei einem ausländischen Anbieter wetten. Die Antwort ist differenziert und hängt davon ab, aus welcher Perspektive man die Sache betrachtet.
Aus strafrechtlicher Sicht ist die Nutzung eines VPN-Dienstes zur Umgehung der Sperren für Sie als Spieler nicht verboten. Das Schweizer Geldspielgesetz richtet sich gegen die Anbieter, nicht gegen die Spieler. Sie machen sich nicht strafbar, wenn Sie bei einem gesperrten Buchmacher wetten. Es drohen Ihnen keine Bussen, keine Gefängnisstrafen und keine anderen strafrechtlichen Konsequenzen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Nutzung ausländischer Anbieter ohne Risiken wäre. Der wichtigste Punkt ist der fehlende Rechtsschutz. Wenn Sie bei einem Schweizer Anbieter spielen und es zu Problemen kommt, etwa weil ein Gewinn nicht ausgezahlt wird, können Sie sich an die GESPA wenden und auf Schweizer Recht berufen. Bei einem ausländischen Anbieter haben Sie diese Möglichkeit nicht. Wenn der Buchmacher Ihre Gewinne einbehält oder Ihr Konto grundlos sperrt, stehen Sie allein da.
Ein weiteres Risiko betrifft die Steuern. Der grosszügige Freibetrag von einer Million Franken gilt nur für Gewinne bei lizenzierten Schweizer Anbietern. Alles, was Sie bei ausländischen Buchmachern gewinnen, müssen Sie vollständig als Einkommen versteuern, und zwar ab dem ersten Franken. Wer diese Gewinne nicht deklariert, begeht Steuerhinterziehung, und das ist in der Schweiz kein Kavaliersdelikt.
Die VPN-Anbieter selbst bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Die Nutzung von VPNs ist in der Schweiz legal, und niemand kann Ihnen verbieten, Ihre Internetverbindung zu verschlüsseln. Die Anbieter der VPN-Dienste machen sich ebenfalls nicht strafbar, solange sie nicht aktiv dabei helfen, Schweizer Gesetze zu umgehen. Die meisten VPN-Dienste vermarkten sich neutral als Werkzeuge für Privatsphäre und Sicherheit, nicht als Mittel zur Umgehung von Glücksspielsperren.
Unterm Strich ist die Situation also kompliziert. Sie können technisch gesehen bei ausländischen Anbietern wetten, ohne strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten. Sie verzichten dabei aber auf wichtige Schutzmechanismen und gehen steuerliche Risiken ein. Ob sich das lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Warum die Sperrliste existiert: Die Argumente der Behörden

Die Schweizer Behörden führen verschiedene Argumente ins Feld, um die Sperrliste zu rechtfertigen. Diese Argumente wurden auch im Vorfeld der Volksabstimmung von 2018 vorgebracht und haben offensichtlich eine Mehrheit der Stimmbevölkerung überzeugt.
Das wichtigste Argument ist der Spielerschutz. Die Behörden argumentieren, dass lizenzierte Schweizer Anbieter strenge Auflagen erfüllen müssen, die dem Schutz der Spieler dienen. Dazu gehören Einzahlungslimits, Selbstsperrmöglichkeiten, Früherkennung von problematischem Spielverhalten und die Pflicht, Beratungsangebote zu vermitteln. Ausländische Anbieter unterliegen diesen Auflagen nicht und haben weniger Anreiz, ihre Kunden vor sich selbst zu schützen.
Ein zweites Argument betrifft die Geldwäscheprävention. Lizenzierte Schweizer Anbieter müssen die Identität ihrer Kunden überprüfen und verdächtige Transaktionen melden. Sie unterliegen der Aufsicht der GESPA und können bei Verstössen sanktioniert werden. Ausländische Anbieter, möglicherweise mit Sitz in Jurisdiktionen mit laxen Regelungen, bieten diese Sicherheit nicht.
Das dritte Argument ist die gemeinnützige Verwendung der Erträge. Die Schweizer Lotteriegesellschaften sind gemeinnützige Organisationen, deren Gewinne vollständig für Sport, Kultur und Soziales verwendet werden. Jeder Franken, der zu einem ausländischen Anbieter fliesst, fehlt diesen Fonds. Die Sperrliste soll sicherstellen, dass das Geld der Schweizer Spieler im Land bleibt und der Allgemeinheit zugutekommt.
Ein viertes Argument ist die Bekämpfung von Spielmanipulationen. Die GESPA überwacht das Wettangebot der Schweizer Anbieter und kann bestimmte Märkte oder Spiele vom Angebot ausschliessen, wenn Verdachtsmomente vorliegen. Bei ausländischen Anbietern ist diese Kontrolle nicht möglich. Das Wetten auf manipulierte Spiele schadet nicht nur den ehrlichen Spielern, sondern auch der Integrität des Sports.
Diese Argumente sind nicht von der Hand zu weisen, und sie haben in der Volksabstimmung eine deutliche Mehrheit überzeugt. Ob sie die Einschränkungen rechtfertigen, die mit der Sperrliste verbunden sind, ist eine andere Frage, über die unterschiedliche Meinungen bestehen.
Kritik an der Sperrliste
Die Sperrliste hat von Anfang an Kritik auf sich gezogen, und diese Kritik ist auch nach Jahren der Umsetzung nicht verstummt. Die Gegner bringen verschiedene Argumente vor, die eine Diskussion verdienen.
Der wichtigste Kritikpunkt betrifft die Einschränkung der Wahlfreiheit. Kritiker argumentieren, dass erwachsene Menschen selbst entscheiden können sollten, wo sie ihr Geld einsetzen. Das Monopol der Lotteriegesellschaften und die Sperren für ausländische Anbieter werden als paternalistisch empfunden. Wer bei einem seriösen, in einem EU-Land lizenzierten Buchmacher wetten möchte, sollte das tun dürfen, ohne dass der Staat ihm dabei im Weg steht.
Ein zweiter Kritikpunkt betrifft die Ineffektivität der Sperren. Wie bereits erläutert, lassen sich DNS-Sperren mit geringem Aufwand umgehen. Die Kritiker argumentieren, dass die Sperren vor allem die weniger technisch versierten Nutzer treffen, während diejenigen, die wirklich bei ausländischen Anbietern spielen wollen, einen Weg finden. Das Geld fliesse dann erst recht ins Ausland, ohne dass die Schweiz davon profitiere.
Ein dritter Kritikpunkt betrifft das eingeschränkte Angebot der Schweizer Anbieter. Sporttip und Jouez Sport können mit den internationalen Buchmachern nicht mithalten, weder bei der Breite des Angebots noch bei den Quoten. Wettfreunde, die sich für Sportarten oder Ligen interessieren, die von den Schweizer Anbietern nicht abgedeckt werden, stehen vor der Wahl, auf ihr Hobby zu verzichten oder in die Grauzone auszuweichen.
Ein vierter Kritikpunkt betrifft die Zensur-Implikationen. Die Gegner des Geldspielgesetzes hatten im Vorfeld der Abstimmung vor einer Salamitaktik gewarnt: Heute würden Glücksspielseiten gesperrt, morgen vielleicht andere unliebsame Inhalte. Die Netzsperren seien ein gefährlicher Präzedenzfall für staatliche Eingriffe in das freie Internet.
Diese Kritikpunkte sind berechtigt und verdienen Beachtung. Gleichzeitig hat die Schweizer Stimmbevölkerung in Kenntnis dieser Argumente für das Geldspielgesetz gestimmt. Die demokratische Legitimation der Sperrliste ist also gegeben, auch wenn man sie für falsch halten mag.
Die Zukunft der Regulierung
Die Frage, wie sich die Schweizer Glücksspielregulierung und insbesondere die Sperrliste weiterentwickeln werden, ist schwer zu beantworten. Verschiedene Faktoren könnten in den kommenden Jahren zu Änderungen führen, aber auch Beharrungskräfte sprechen für eine Fortsetzung des aktuellen Kurses.
Ein Faktor, der Veränderungen begünstigen könnte, sind die europäischen Entwicklungen. In der EU gibt es Bestrebungen, den Glücksspielmarkt stärker zu harmonisieren. Sollte die Schweiz unter Druck geraten, ihr Monopolmodell aufzugeben, könnte das zu einer Liberalisierung führen. Allerdings ist die Schweiz kein EU-Mitglied und nicht verpflichtet, europäische Vorgaben zu übernehmen.
Ein weiterer Faktor sind die Erfahrungen mit dem aktuellen System. Wenn sich zeigt, dass die Netzsperren weitgehend ineffektiv sind und ein grosser Teil des Marktes in die Illegalität abwandert, könnte das Argumente für eine Reform liefern. Die GESPA veröffentlicht regelmässig Statistiken, die Aufschluss über die Marktentwicklung geben. Bisher deuten diese Zahlen darauf hin, dass die legalen Anbieter Marktanteile gewinnen, was das aktuelle System stärkt.
Die politischen Mehrheiten spielen ebenfalls eine Rolle. Das Geldspielgesetz wurde mit breiter Unterstützung verabschiedet, und die Volksabstimmung hat gezeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung hinter dem Konzept steht. Solange sich daran nichts ändert, dürfte es schwer sein, grundlegende Reformen durchzusetzen.
Eine mögliche Entwicklung wäre eine behutsame Öffnung, bei der zusätzliche Anbieter Lizenzen erhalten könnten, aber unter strengen Auflagen und mit voller Besteuerung. Ein solches Modell würde die Vorteile des regulierten Marktes mit mehr Wettbewerb verbinden. Ob die Schweiz diesen Weg einschlägt, ist derzeit allerdings nicht absehbar.
Für die nähere Zukunft ist davon auszugehen, dass die Sperrliste weiter wachsen wird. Die GESPA identifiziert fortlaufend neue illegale Anbieter und setzt sie auf die Liste. Die Aktualisierungen erfolgen quartalsweise, und jede neue Version enthält zusätzliche Domains. Dieser Prozess wird sich fortsetzen, solange ausländische Anbieter versuchen, Schweizer Kunden zu gewinnen.
Was die Sperrliste für Sie bedeutet

Nach diesem ausführlichen Überblick stellt sich die Frage, was die GESPA Sperrliste konkret für Sie als Wettfreund bedeutet. Die Auswirkungen sind je nach Ihren bisherigen Gewohnheiten und Präferenzen unterschiedlich.
Wenn Sie bisher ausschliesslich bei Sporttip oder Jouez Sport gewettet haben, ändert sich für Sie wenig. Diese Anbieter operieren weiter wie bisher, und Sie profitieren von den Schutzmechanismen, die das Geldspielgesetz vorsieht. Die Sperrliste betrifft Sie nicht direkt, ausser dass sie das Angebot der Konkurrenz vom Markt fernhält.
Wenn Sie früher bei internationalen Buchmachern aktiv waren, sieht die Situation anders aus. Viele der grossen Namen sind in der Schweiz nicht mehr direkt erreichbar. Sie können versuchen, die Sperren zu umgehen, aber das ist mit Risiken verbunden, die Sie kennen sollten. Die bessere Alternative ist oft, sich mit dem Schweizer Angebot zu arrangieren und dessen Vorteile zu nutzen.
Die Sperrliste definiert die Grenzen des legalen Marktes in der Schweiz. Innerhalb dieser Grenzen können Sie sicher und mit vollem rechtlichem Schutz wetten. Ausserhalb dieser Grenzen bewegen Sie sich in einer Grauzone, in der die üblichen Spielregeln nicht gelten. Diese Grenzen mögen Ihnen nicht gefallen, aber sie sind die Realität, mit der Sie umgehen müssen.
Unser Rat: Informieren Sie sich, wägen Sie die Vor- und Nachteile ab und treffen Sie dann eine bewusste Entscheidung. Wenn Ihnen die Sicherheit und der Rechtsschutz wichtig sind, bleiben Sie bei den Schweizer Anbietern. Wenn Ihnen das Angebot nicht ausreicht und Sie bereit sind, Risiken einzugehen, stehen Ihnen andere Wege offen. Aber gehen Sie diese Wege mit offenen Augen und nicht aus Unwissenheit.
FAQ
Wie finde ich heraus, ob ein Wettanbieter auf der Sperrliste steht?
Die GESPA veröffentlicht die aktuelle Sperrliste auf ihrer offiziellen Webseite. Dort können Sie nach bestimmten Domains suchen oder die gesamte Liste durchsehen. Die Liste wird quartalsweise aktualisiert, sodass Sie immer den aktuellen Stand einsehen können. Alternativ können Sie einfach versuchen, die Webseite des betreffenden Anbieters aufzurufen. Wenn Sie auf eine Hinweisseite umgeleitet werden, die erklärt, dass der Zugang gesperrt ist, wissen Sie Bescheid. Beachten Sie allerdings, dass die Sperre nur wirkt, wenn Sie den DNS-Server Ihres Schweizer Internetanbieters verwenden. Mit alternativen DNS-Servern oder VPN-Diensten können Sie die Sperre umgehen, was aber eigene Risiken mit sich bringt.
Was passiert, wenn ich bei einem gesperrten Anbieter wette?
Strafrechtlich passiert Ihnen nichts. Das Schweizer Geldspielgesetz richtet sich gegen die Anbieter, nicht gegen die Spieler. Sie machen sich nicht strafbar und müssen keine Bussen befürchten. Allerdings verzichten Sie auf wichtige Schutzmechanismen und gehen andere Risiken ein. Erstens haben Sie keinen Rechtsschutz: Wenn der Anbieter Ihre Gewinne nicht auszahlt, können Schweizer Behörden Ihnen nicht helfen. Zweitens müssen Sie alle Gewinne vollständig versteuern, da der Freibetrag von einer Million Franken nur für Schweizer Anbieter gilt. Drittens besteht ein theoretisches Risiko, dass Ihre Daten nicht angemessen geschützt werden, da ausländische Anbieter nicht den Schweizer Datenschutzgesetzen unterliegen.
Kann ich mein Guthaben bei einem neu gesperrten Anbieter noch abheben?
Das hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Die Sperrung betrifft den Zugang zur Webseite, nicht Ihr Vertragsverhältnis mit dem Anbieter. Theoretisch bleibt Ihr Guthaben bei dem Anbieter bestehen, und Sie haben einen Anspruch darauf. Praktisch kann es schwierig werden, diesen Anspruch durchzusetzen. Wenn Sie die Sperre umgehen und auf Ihr Konto zugreifen können, sollten Sie Ihr Guthaben zeitnah abheben. Wenn der Anbieter den Zugang für Schweizer Nutzer komplett blockiert, müssen Sie den Kundenservice kontaktieren und eine Auszahlung beantragen. Seriöse Anbieter werden Ihrem Wunsch nachkommen, aber es kann zu Verzögerungen kommen. Im schlimmsten Fall müssen Sie rechtliche Schritte einleiten, was bei einem ausländischen Anbieter kompliziert und teuer sein kann.
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