Geldspielgesetz Schweiz: Alles über die Regulierung von Sportwetten und Glücksspiel

Geldspielgesetz Schweiz: Alles zur Regulierung von Sportwetten & Glücksspiel. Erfahre mehr über die vier Säulen, Netzsperren & legale Anbieter wie Sporttip.

Schweizer Parlament mit Bundeshaus und Schweizer Flagge im Hintergrund

Die Schweiz hat sich bei der Regulierung von Glücksspielen für einen Sonderweg entschieden, der sich grundlegend von dem unterscheidet, was unsere europäischen Nachbarn praktizieren. Während Deutschland, Österreich und andere Länder private Anbieter lizenzieren und einen bunten Wettbewerb zulassen, setzt die Eidgenossenschaft auf ein staatliches Monopol mit strengen Regeln. Das Herzstück dieser Regulierung ist das Bundesgesetz über Geldspiele, kurz BGS genannt, das am 1. Januar 2019 in Kraft trat und seither den gesamten Markt für Sportwetten und Glücksspiel prägt.

Wer als Wettfreund in der Schweiz aktiv werden möchte, kommt nicht umhin, sich mit diesem Gesetz auseinanderzusetzen. Es bestimmt, wo Sie legal wetten dürfen, wie Ihre Gewinne besteuert werden und warum Ihr früherer Lieblingsbuchmacher aus dem Ausland plötzlich nicht mehr erreichbar ist. Das Geldspielgesetz ist keine abstrakte juristische Materie, sondern hat ganz konkrete Auswirkungen auf jeden, der in der Schweiz auf Sportereignisse tippen möchte.

In diesem Artikel nehmen wir das Geldspielgesetz unter die Lupe. Wir schauen uns an, wie es entstanden ist, welche Ziele der Gesetzgeber verfolgt und was das alles für Sie als Wettfreund bedeutet. Dabei sparen wir auch die Kritik nicht aus, denn das Gesetz ist nicht unumstritten. Am Ende dieses Artikels werden Sie verstehen, warum die Schweiz diesen Weg gewählt hat und wie Sie sich innerhalb dieses Rahmens bewegen können.

Historischer Überblick: Vom Verbot zur Regulierung

Die Geschichte des Glücksspiels in der Schweiz ist eine Geschichte von Verboten, Lockerungen und neuen Verboten. Um das heutige Geldspielgesetz zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, denn die aktuelle Regulierung ist das Ergebnis einer langen Entwicklung.

Alles begann mit dem Spielbankenverbot von 1921. Die Bundesverfassung untersagte damals das Betreiben von Spielbanken, und diese Regelung prägte die Haltung der Schweiz gegenüber dem Glücksspiel für Jahrzehnte. Das Verbot war Ausdruck einer Zeit, in der man Glücksspiel als gesellschaftliches Übel betrachtete, das es zu bekämpfen galt. Spielsucht, Verarmung und moralischer Verfall waren die Schreckgespenster, die man mit einem strikten Verbot bannen wollte.

Historisches Schweizer Casino-Gebäude in den Alpen

Die Lotterien bildeten allerdings eine Ausnahme. Sie wurden bereits früh als Instrument zur Finanzierung gemeinnütziger Zwecke akzeptiert und genossen einen besonderen Status. Die Kantone gründeten Lotteriegesellschaften, die Lotterien und später auch Sportwetten anbieten durften, wobei die Gewinne in Sport, Kultur und Soziales flossen. Diese Tradition bildet bis heute das Fundament des Schweizer Systems.

In den neunziger Jahren begann ein Umdenken. Die Gesellschaft war liberaler geworden, und die strikten Verbote erschienen zunehmend antiquiert. 1993 stimmte das Schweizer Volk einer Verfassungsänderung zu, die den Weg für Spielbanken ebnete. 1998 folgte das Spielbankengesetz, das die Wiedereröffnung von Casinos ermöglichte. Die Schweiz hatte erkannt, dass ein striktes Verbot das Glücksspiel nicht verhindert, sondern nur in die Illegalität treibt.

Die Sportwetten blieben allerdings weitgehend unreguliert, zumindest was den Online-Bereich betraf. Während Sporttip und später Jouez Sport das legale Angebot stellten, wuchs daneben ein grauer Markt internationaler Online-Buchmacher, die sich um Schweizer Gesetze nicht scherten. Diese Anbieter waren technisch aus der Schweiz erreichbar, aber rechtlich in einer Grauzone. Die Behörden schauten lange zu, ohne wirksam eingreifen zu können.

Diese Situation war unbefriedigend für alle Beteiligten. Die legalen Anbieter sahen sich einer übermächtigen Konkurrenz gegenüber, die keine Abgaben zahlte und keine Auflagen erfüllte. Die Spieler bewegten sich in einem rechtlichen Niemandsland, ohne klare Regeln und ohne Schutz. Und die Kantone verloren Einnahmen, die eigentlich gemeinnützigen Zwecken zugutekommen sollten. Es war Zeit für eine grundlegende Reform.

Die Volksabstimmung 2018: Wie die Schweizer entschieden

Das Geldspielgesetz, das der Bundesrat und das Parlament ausgearbeitet hatten, war von Anfang an umstritten. Besonders die vorgesehenen Netzsperren für ausländische Anbieter stiessen auf Widerstand. Kritiker sahen darin einen Eingriff in die Internetfreiheit und befürchteten, dass die Schweiz damit einen Präzedenzfall für künftige Zensur schaffen würde.

Ein Komitee, das sich hauptsächlich aus Vertretern der Jungparteien und der Piratenpartei zusammensetzte, ergriff das Referendum. Unter dem Slogan „No Billag für das Internet“ sammelte es die nötigen Unterschriften und erzwang eine Volksabstimmung. Die Gegner argumentierten, dass Netzsperren ineffektiv seien, weil sie leicht umgangen werden könnten, und dass sie einen gefährlichen Eingriff in die Informationsfreiheit darstellten.

Schweizer Stimmzettel und Wahlurne bei einer Volksabstimmung

Die Befürworter des Gesetzes, angeführt von Bundesrat und Parlament, hielten dagegen. Sie betonten, dass die Netzsperren notwendig seien, um den Spielerschutz durchzusetzen und die Erträge des Glücksspiels für gemeinnützige Zwecke zu sichern. Ausländische Anbieter würden keine Abgaben zahlen, keine Spielsuchtprävention betreiben und keine Garantie für faire Spiele bieten. Nur ein regulierter Markt mit klaren Regeln könne diese Probleme lösen.

Am 10. Juni 2018 fand die Abstimmung statt, und das Ergebnis war eindeutig. 72,9 Prozent der Stimmenden sprachen sich für das neue Geldspielgesetz aus. Die Gegner hatten zwar in urbanen Kreisen und bei jüngeren Wählern punkten können, aber die grosse Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer folgte der Empfehlung von Bundesrat und Parlament.

Dieses klare Votum gab dem Gesetzgeber Rückendeckung für eine konsequente Umsetzung. Seit dem 1. Januar 2019 ist das Geldspielgesetz in Kraft, und die Netzsperren sind Realität. Die Schweiz hat sich damit für einen Weg entschieden, der Spielerschutz und Steuerung des Marktes über die uneingeschränkte Wahlfreiheit der Spieler stellt.

Die vier Säulen des Geldspielgesetzes

Das Geldspielgesetz verfolgt vier zentrale Ziele, die der Gesetzgeber explizit im Gesetzestext verankert hat. Diese vier Säulen bilden das Fundament der gesamten Regulierung und bestimmen, wie der Markt gestaltet ist.

Die erste und wichtigste Säule ist der Schutz der Spielerinnen und Spieler vor den Gefahren des Geldspiels. Glücksspiel kann süchtig machen, und exzessives Spielverhalten kann zu finanziellen Schwierigkeiten, sozialer Isolation und psychischen Problemen führen. Das Gesetz verpflichtet die Anbieter zu umfassenden Präventionsmassnahmen, von Einzahlungslimits über Selbstsperrmöglichkeiten bis hin zur Früherkennung problematischen Spielverhaltens. Der Spielerschutz ist keine Nebensache, sondern steht im Zentrum der Regulierung.

Vier massive Steinsäulen eines Schweizer Regierungsgebäudes als Symbol für die Gesetzesgrundlagen

Die zweite Säule ist die sichere und transparente Durchführung von Geldspielen. Spieler sollen wissen, worauf sie sich einlassen. Die Gewinnchancen müssen klar kommuniziert werden, die technischen Systeme müssen zuverlässig funktionieren, und die Anbieter müssen ihre Versprechen einhalten. Manipulation und Betrug werden nicht toleriert. Diese Säule schafft Vertrauen und stellt sicher, dass die Spiele fair ablaufen.

Die dritte Säule ist die Bekämpfung der Kriminalität. Glücksspiel kann für Geldwäsche, Betrug und organisierte Kriminalität missbraucht werden. Das Gesetz verpflichtet die Anbieter zu strengen Identitätsprüfungen und zur Meldung verdächtiger Transaktionen. Die Aufsichtsbehörden überwachen den Markt und können bei Verstössen eingreifen. Diese Säule schützt nicht nur die einzelnen Spieler, sondern die Gesellschaft insgesamt.

Die vierte Säule ist die Verwendung der Erträge für gemeinnützige Zwecke. Anders als in Ländern mit privaten Anbietern fliessen die Gewinne aus dem Schweizer Glücksspiel nicht in die Taschen von Aktionären, sondern werden für Sport, Kultur, Soziales und Umwelt verwendet. Die Kantone profitieren direkt von den Lotteriegesellschaften, und auch die Spielbanken zahlen einen Teil ihrer Erträge in gemeinnützige Fonds. Diese Säule gibt dem Glücksspiel eine gesellschaftliche Legitimation.

Diese vier Säulen hängen zusammen und verstärken sich gegenseitig. Der Spielerschutz funktioniert nur, wenn die Spiele transparent sind. Die Bekämpfung der Kriminalität setzt voraus, dass die Anbieter reguliert werden. Und die gemeinnützige Verwendung der Erträge ist nur möglich, wenn der Markt nicht von unregulierten Anbietern unterwandert wird.

Kategorien der Geldspiele: Spielbankenspiele, Grossspiele und Kleinspiele

Das Geldspielgesetz unterscheidet drei Kategorien von Geldspielen, die unterschiedlichen Regelungen unterliegen. Diese Kategorisierung ist nicht nur juristisch interessant, sondern hat ganz praktische Auswirkungen auf Ihre Möglichkeiten als Spieler und auf die steuerliche Behandlung Ihrer Gewinne.

Spielbankenspiele sind Spiele, die in Casinos angeboten werden. Dazu gehören klassische Tischspiele wie Roulette, Blackjack und Poker sowie Spielautomaten. Auch Online-Casinos fallen in diese Kategorie, sofern sie von einer konzessionierten Spielbank betrieben werden. Die Spielbankenspiele unterliegen der Aufsicht der Eidgenössischen Spielbankenkommission und sind streng reguliert. Die Spielbanken zahlen eine Spielbankenabgabe, die je nach Bruttospielertrag zwischen 40 und 80 Prozent beträgt.

Grossspiele sind Spiele, die automatisiert, interkantonal oder online durchgeführt werden. Hierzu gehören die grossen Lotterien wie Swiss Lotto und EuroMillions sowie die Sportwetten bei Sporttip und Jouez Sport. Auch Lose wie Rubbellose und Online-Sofortspiele fallen in diese Kategorie. Die Grossspiele werden von den beiden Lotteriegesellschaften Swisslos und Loterie Romande angeboten und unterliegen der Aufsicht der interkantonalen Geldspielaufsicht GESPA.

Kleinspiele sind Spiele, die lokal und in kleinem Rahmen durchgeführt werden. Dazu gehören kleine Pokerturniere, lokale Sportwetten, Tombolas und Lotterien bei Vereinsanlässen. Diese Spiele unterliegen kantonalem Recht und benötigen in der Regel eine Bewilligung der zuständigen kantonalen Behörde. Die Auflagen sind weniger streng als bei Grossspielen, aber es gelten Limits, etwa für die maximalen Einsätze und Gewinne.

Die Unterscheidung zwischen diesen Kategorien hat unmittelbare steuerliche Konsequenzen. Gewinne aus Grossspielen bei Schweizer Anbietern sind bis zu einer Million Franken pro Jahr steuerfrei. Bei Kleinspielen gilt eine vollständige Steuerbefreiung, solange bestimmte Limits eingehalten werden. Spielbankengewinne hingegen unterliegen einer Verrechnungssteuer von 35 Prozent auf Beträge über einer Million Franken.

Für Sie als Wettfreund bedeutet das konkret: Wenn Sie bei Sporttip oder Jouez Sport wetten, profitieren Sie vom grosszügigen Freibetrag für Grossspiele. Ihre Gewinne bis zu einer Million Franken pro Jahr sind steuerfrei. Diese Regelung gilt allerdings nur für lizenzierte Schweizer Anbieter. Gewinne bei ausländischen Buchmachern müssen vollständig versteuert werden, da für sie keine Ausnahme gilt.

Die Konzessionspflicht: Wer darf Sportwetten anbieten?

Eine der folgenreichsten Bestimmungen des Geldspielgesetzes ist die Konzessionspflicht für Geldspiele. Nicht jeder darf einfach Sportwetten oder andere Glücksspiele anbieten. Vielmehr braucht es eine ausdrückliche Bewilligung, und diese wird nach strengen Kriterien vergeben.

Für Sportwetten als Grossspiele gilt das Prinzip des Monopols. Nur die beiden etablierten Lotteriegesellschaften Swisslos und Loterie Romande sind berechtigt, Sportwetten interkantonal oder online anzubieten. Swisslos bedient die Deutschschweiz und das Tessin mit dem Angebot Sporttip, während die Loterie Romande für die französischsprachigen Kantone mit Jouez Sport zuständig ist. Andere Anbieter, egal wie seriös und erfahren sie sein mögen, haben keine Möglichkeit, eine Schweizer Lizenz für Sportwetten zu erhalten.

Offizielle Schweizer Lizenzdokumente mit Stempel und Siegel

Dieses Monopol unterscheidet die Schweiz fundamental von Ländern wie Deutschland oder Grossbritannien, wo private Unternehmen Lizenzen erwerben können. Die Schweiz hat sich bewusst gegen ein solches Modell entschieden und setzt stattdessen auf bewährte Strukturen. Die Lotteriegesellschaften sind interkantonale Organisationen, die den Kantonen gehören und deren Gewinne vollständig für gemeinnützige Zwecke verwendet werden.

Die Befürworter dieses Modells argumentieren, dass es den Spielerschutz besser gewährleistet als ein liberalisierter Markt. Wo private Unternehmen um Kunden kämpfen, bestehe die Gefahr, dass der Spielerschutz zu kurz komme. Die Lotteriegesellschaften hingegen seien nicht primär auf Gewinnmaximierung ausgerichtet und könnten sich die nötige Zurückhaltung leisten.

Kritiker halten dagegen, dass das Monopol zu einem eingeschränkten Angebot führe. Tatsächlich bieten Sporttip und Jouez Sport weniger Sportarten, weniger Ligen und weniger Wettmärkte als die grossen internationalen Buchmacher. Wer auf eine obskure Liga in einem fernen Land wetten möchte, wird bei den Schweizer Anbietern oft nicht fündig. Diese Einschränkung ist gewollt, denn sie soll das Risiko von Spielmanipulationen reduzieren, aber sie frustriert manche Wettfreunde.

Die Konzessionspflicht gilt auch für Online-Casinos. Hier dürfen nur die konzessionierten Spielbanken tätig werden, die bereits landbasierte Casinos betreiben. Diese Einschränkung sollte verhindern, dass neue Anbieter den Markt fluten und die bestehenden Strukturen unterlaufen.

Netzsperren und Durchsetzung: Wie das Gesetz umgesetzt wird

Das beste Gesetz nützt nichts, wenn es nicht durchgesetzt wird. Das Geldspielgesetz sieht daher verschiedene Mechanismen vor, um seine Einhaltung sicherzustellen. Der bekannteste und umstrittenste dieser Mechanismen sind die Netzsperren gegen ausländische Anbieter.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes führen die Aufsichtsbehörden Sperrlisten, auf denen alle ausländischen Glücksspielanbieter verzeichnet sind, die in der Schweiz ohne Bewilligung tätig sind. Die GESPA ist für Lotterien und Sportwetten zuständig, die ESBK für Online-Casinos. Die Schweizer Internetanbieter sind verpflichtet, den Zugang zu den gelisteten Webseiten zu blockieren. Technisch geschieht dies über DNS-Sperren, bei denen die Anfragen an gesperrte Domains auf eine Informationsseite umgeleitet werden.

Die Sperrlisten wachsen kontinuierlich. Zum Zeitpunkt der Einführung umfassten sie einige Dutzend Domains, inzwischen sind es Hunderte. Bekannte internationale Buchmacher, die in anderen europäischen Ländern legal operieren, sind in der Schweiz gesperrt. Die Behörden identifizieren fortlaufend neue Anbieter, die versuchen, Schweizer Kunden anzuwerben, und setzen sie auf die Liste.

Die technische Wirksamkeit der Sperren ist begrenzt, und das war von Anfang an bekannt. Wer einen VPN-Dienst nutzt oder alternative DNS-Server konfiguriert, kann die Sperren umgehen. Die Behörden argumentieren jedoch, dass die Sperren nicht jeden einzelnen Nutzer aufhalten müssen, sondern vor allem eine Signalwirkung haben. Sie machen klar, dass das Anbieten ohne Lizenz illegal ist, und sie erschweren den Zugang ausreichend, um viele Gelegenheitsspieler abzuhalten.

Neben den Netzsperren setzt das Gesetz auf weitere Durchsetzungsmechanismen. Die Behörden können Strafverfahren gegen Anbieter einleiten, die in der Schweiz ohne Bewilligung tätig sind. Sie können Zahlungsdienstleister anweisen, Transaktionen zu blockieren. Und sie können Werbung für illegale Angebote verbieten und verfolgen.

Für Sie als Spieler ist wichtig zu wissen: Das Spielen bei einem nicht lizenzierten Anbieter ist für Sie selbst nicht strafbar. Sie müssen keine Busse oder andere strafrechtliche Konsequenzen befürchten. Allerdings verzichten Sie auf den rechtlichen Schutz, den das Schweizer System bietet, und Sie müssen Ihre Gewinne vollständig versteuern.

Kritik am Geldspielgesetz

Das Geldspielgesetz ist nicht unumstritten, und seit seiner Einführung hat es verschiedene Kritikpunkte auf sich gezogen. Diese Kritik kommt aus unterschiedlichen Richtungen und betrifft verschiedene Aspekte der Regulierung.

Ein häufiger Kritikpunkt betrifft die Einschränkung der Spielerfreiheit. Kritiker argumentieren, dass erwachsene Menschen selbst entscheiden können sollten, wo sie ihr Geld einsetzen. Das Monopol der Lotteriegesellschaften und die Netzsperren werden als paternalistisch empfunden. Wer bei einem seriösen, in einem EU-Land lizenzierten Buchmacher wetten möchte, sollte das tun dürfen, ohne dass der Staat ihm dabei im Weg steht.

Politische Debatte im Schweizer Nationalratssaal mit Parlamentariern

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das eingeschränkte Angebot. Sporttip und Jouez Sport können mit den internationalen Buchmachern nicht mithalten, weder bei der Breite des Angebots noch bei den Quoten. Wettfreunde, die sich für Sportarten oder Ligen interessieren, die von den Schweizer Anbietern nicht abgedeckt werden, stehen vor der Wahl, auf ihr Hobby zu verzichten oder in die Grauzone auszuweichen.

Auch die Wirksamkeit der Netzsperren wird bezweifelt. Wer die Sperren umgehen will, kann das ohne grossen Aufwand tun. Die Kritiker argumentieren, dass die Sperren vor allem die weniger technisch versierten Nutzer treffen, während diejenigen, die wirklich spielen wollen, einen Weg finden. Das Geld fliesse dann erst recht ins Ausland, ohne dass die Schweiz davon profitiere.

Befürworter des Gesetzes halten dagegen, dass diese Kritik zu kurz greife. Der Spielerschutz sei ein legitimes Ziel, das gewisse Einschränkungen rechtfertige. Das Angebot der Schweizer Anbieter sei für die meisten Wettfreunde völlig ausreichend. Und die Netzsperren seien zwar nicht perfekt, aber immerhin ein Signal, das den meisten Gelegenheitsspielern den Zugang zu unregulierten Angeboten erschwere.

Die Debatte ist nicht abgeschlossen, und es ist möglich, dass künftige Regierungen oder das Parlament Anpassungen vornehmen. Für den Moment gilt jedoch das Gesetz, wie es ist, und Wettfreunde müssen sich damit arrangieren.

Zukunftsaussichten: Wird sich die Regulierung ändern?

Die Frage, wie sich die Schweizer Glücksspielregulierung weiterentwickeln wird, ist schwer zu beantworten. Verschiedene Faktoren könnten in den kommenden Jahren zu Änderungen führen, aber auch Beharrungskräfte sprechen für eine Fortsetzung des aktuellen Kurses.

Ein Faktor, der Veränderungen begünstigen könnte, sind die europäischen Entwicklungen. In der EU gibt es Bestrebungen, den Glücksspielmarkt stärker zu harmonisieren. Sollte die Schweiz unter Druck geraten, ihr Monopolmodell aufzugeben, könnte das zu einer Liberalisierung führen. Allerdings ist die Schweiz kein EU-Mitglied und nicht verpflichtet, europäische Vorgaben zu übernehmen.

Ein weiterer Faktor sind die Erfahrungen mit dem aktuellen System. Wenn sich zeigt, dass die Netzsperren weitgehend ineffektiv sind und ein grosser Teil des Marktes in die Illegalität abwandert, könnte das Argumente für eine Reform liefern. Umgekehrt würden positive Erfahrungen mit dem Spielerschutz und stabilen Einnahmen für gemeinnützige Zwecke das aktuelle System stärken.

Die politischen Mehrheiten spielen ebenfalls eine Rolle. Das Geldspielgesetz wurde mit breiter Unterstützung verabschiedet, und die Volksabstimmung hat gezeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung hinter dem Konzept steht. Solange sich daran nichts ändert, dürfte es schwer sein, grundlegende Reformen durchzusetzen.

Eine mögliche Entwicklung wäre eine behutsame Öffnung, bei der zusätzliche Anbieter Lizenzen erhalten könnten, aber unter strengen Auflagen und mit voller Besteuerung. Ein solches Modell würde die Vorteile des regulierten Marktes mit mehr Wettbewerb verbinden. Ob die Schweiz diesen Weg einschlägt, ist derzeit allerdings nicht absehbar.

Für Sie als Wettfreund bedeutet das: In absehbarer Zukunft werden Sporttip und Jouez Sport die einzigen legalen Optionen für Online-Sportwetten in der Schweiz bleiben. Es lohnt sich, sich mit diesen Anbietern vertraut zu machen und ihre Vorteile zu nutzen, anstatt auf eine Liberalisierung zu warten, die möglicherweise nie kommt.

FAQ

Warum hat die Schweiz ausländische Wettanbieter gesperrt?

Die Schweiz hat sich entschieden, ausländische Wettanbieter zu sperren, um die Ziele des Geldspielgesetzes zu erreichen: Spielerschutz, sichere Spiele, Kriminalitätsbekämpfung und gemeinnützige Verwendung der Erträge. Ausländische Anbieter unterliegen nicht der Schweizer Aufsicht, zahlen keine Abgaben in der Schweiz und sind nicht verpflichtet, die strengen Schweizer Spielerschutzvorschriften einzuhalten. Die Netzsperren sollen sicherstellen, dass Schweizer Spieler zu den lizenzierten Anbietern kanalisiert werden, wo sie von den gesetzlichen Schutzmechanismen profitieren. Das Schweizer Volk hat dieses Konzept in der Volksabstimmung von 2018 mit grosser Mehrheit unterstützt.

Kann das Geldspielgesetz durch ein weiteres Referendum geändert werden?

Grundsätzlich ja. Das Schweizer System der direkten Demokratie ermöglicht es, gegen jedes Bundesgesetz das Referendum zu ergreifen und es dem Volk zur Abstimmung vorzulegen. Auch eine Volksinitiative könnte eine Änderung des Geldspielgesetzes oder sogar der Verfassungsbestimmungen zum Glücksspiel anstreben. Allerdings müsste ein solches Begehren erst die nötigen Unterschriften sammeln und dann eine Mehrheit in der Abstimmung erreichen. Angesichts des deutlichen Ja zum Geldspielgesetz im Jahr 2018 erscheint es unwahrscheinlich, dass ein Referendum gegen die Grundzüge der Regulierung in absehbarer Zeit Erfolg hätte. Punktuelle Anpassungen durch das Parlament sind jedoch möglich und erfordern kein Referendum, solange sie im Rahmen des bestehenden Gesetzes bleiben.

Wie wird die Einhaltung des Geldspielgesetzes kontrolliert?

Die Kontrolle obliegt zwei Aufsichtsbehörden mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Die Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK beaufsichtigt die Casinos und ihre Online-Angebote. Die interkantonale Geldspielaufsicht GESPA ist für Lotterien und Sportwetten zuständig. Beide Behörden führen Sperrlisten für illegale Online-Anbieter und veranlassen deren Blockierung durch die Internetanbieter. Sie prüfen die lizenzierten Anbieter auf Einhaltung der Vorschriften, können Sanktionen verhängen und bei Verstössen Strafanzeige erstatten. Die Anbieter selbst sind verpflichtet, regelmässig Bericht zu erstatten und sich Kontrollen zu unterziehen. Zusätzlich arbeiten die Behörden mit Zahlungsdienstleistern zusammen, um Transaktionen zu illegalen Anbietern zu unterbinden.